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Dienstag, 5. Februar 2013

Das Beste vom Schlimmsten

Mit diesem Krankenwagen der sich im Streik befindet, möchte ich heute mal eine kleine Auswahl von Bildern Euch vorstellen die nicht so schön sind! Die Krankenwagenfahrer haben in dieser Zeit nur "minimalen Dienst nach Vorschrift" gemacht und gegen die Kürzung von bestehenden Benefits und die Anhebung der Wochenarbeitsstundenzahl demonstriert. Wer zu den einzelnen Bildern und den damit verbundenen Geschichten noch Fragen hat, der wendet sich an mich.

So wie hier, wird überall in BC Bergbau betrieben. Dabei sind die Fotos beliebig austauschbar, der Raubbau an der Natur bleibt der gleiche, Abraumhalden die mit Schwermetallen und Seen die quasi ausschliesslich aus Säure bestehen sind gleichgültige Normalität. Arbeiter die unter grossen Gesundheitsbelastungen in den Bergwerken und Ölfeldern arbeiten, werden mit hohen Löhnen gelockt, eine Statistik über Krebsraten und andere Folgeschäden wird streng unter Verschluss gehalten!

Eine neue Art des "Bergbau" oder der "Goldgräberei. Hier werden bei Kelowna am Okanagon Lake jede Menge neue Wohngebiete in die Hänge rund um den Seen gegraben. Ich weiss, in Europa ist das sowas von normal das Alles zugebaut wird. Hier wird ausserdem keine Rücksicht genommen auf Natur und spezielle Naturschutzgebiete. Mit Geld kann man hier auf JEDEM Fleck ein Haus bauen!

Da kriegt der Eichkater ein Pommes, es erregt ihn ungemein. Mich regt es auf, mit all dem Müll den Touristen jedes Jahr beim Camping oder einfach nur beim durch die Gegend fahren liegen lassen bzw. aus dem Fenster werfen. Nein, es ist nicht putzig wenn so ein Wildtier an Fast Food eingeht und es ist auch nicht wunderbar wenn Hedi und Pledi mit ner Tüte voller Burger versuchen nen Bär aus dem Dickicht zu locken um ein Foto machen zu können.

 Da gibt man zwecks Bewerbung diesen Blog-Link bei einer Zeitung ab um sich mit seinen Fotos eine Reverenz zu verschaffen. Und dann schickt dieses elende Käseblatt die dritte Garnitur "Hannie the Copycat" in Männersandalen los um quasi exakte Kopien meiner Fotos zu machen und die mit "los lass dir was einfallen oder ich schmeiss dich raus" Texten zu verzieren.

Da ist es schon harmlos wenn morgens um 5:30 Uhr das Müllauto auf den Campingplatz rollt und sich den Müll mit viel Getöse und noch mehr Dreckgewirbel über Kopf in den eigenen Container wirft. Noch mal schön nachklopfen damit auch Alles draussen ist und dann auf halber Höhe von oben geschickt abwerfen, damit auch der letzte Heuler wach wird.

Bier formte diesen schönen Körper! Morgens um 9 Uhr nahm er seine Position ein und verliess sie nur zum Bier nachfassen, zum Mittagessen und zum Nachmittagskaffee. Alkohol trinken ist in Kanada in der Öffentlichkeit verboten, eigentlich, aber was schert das die Gäste dieses Campingplatzes... schliesslich liegt der auf dem Gebiet einer Indian Reservation und dort gelten eigene Gesetze. Und wenn auch der weisse Nordamerikaner normalerweise die First Nation People nicht mit dem Hintern anschaut, wenn er auf ihrem Land ungehindert saufen kann, dann macht er sogar da Urlaub!

Sie passt immer noch in den Bikini von vor zwanzig Jahren, sie ist begeistert, sie sieht sich im Spiegel nur von vorn! Unsere Begeisterung hält sich in Grenzen, wir sehen sie leider auch von hinten. :-)

Irgendwann vor drei Jahren ist der Wald am Highway zwischen Kamloops und Jasper abgebrannt. Aufforstung? Fehlanzeige! Warum auch... ist doch Land der First Nations und warum sollte man denen helfen den Wald wieder aufzuforsten, sollen sie doch selber machen.

Die Interlakes Area ist eine der am stärksten vom Pine Beetle betroffenen Gebiete in BC. Riesige, luxuriöse Anwesen europäischer Einwanderer stehen für Phantasiepreise zum Verkauf. Wer noch verkaufen konnte bevor die Bäume schwarz wurden lacht sich jetzt ins Fäustchen. Da Bridge Lake und die gesamte Interlakes Area auf über 1000m über dem Meeresspiegel liegt, wachsen Bäume hier ausgesprochen langsam. Wer grosse Privatwälder besitzt kommt mit dem Pine Beetle Holz schlagen kaum hinterher. Und hinterher liegt das schöne Blockhaus, das einst lauschig zwischen Kiefern mitten im Wald stand, mitten auf der grossen grünen Wiese!

Sparen am falschen Fleck tut auch gern die Greyhound Company. Die einzigste Alternative zum Flugzeug ist in BC der Greyhound Bus. Die Eisenbahn unterhält nur den Rocky Mountaneer und der ist eher touristisches Highlight als ein Personenbeförderungsmittel. So bleibt all denen die kein Auto haben und denen ein Flug (Vancouver - Prince George kostet gern mal genauso viel wie Vancouver - Frankfurt/Main) zu teuer ist, der Greyhound Bus. Vollkommen konkurenzlos kann es sich die Firma Greyhound leisten, öfter mal mitten auf offener Strecke liegen zu bleiben. Sparen bei der Wartung der Busse und die Auskontraktierung von Busfahrern senken das Niveau weiter spürbar. Neue Sicherheitsregeln machen eine Nachtreise zur Tourtur, aller paar hundert Kilometer muss man den Bus mit seinem gesamten Handgepäck verlassen, teilweise bis zu zwei Stunden warten und dann wieder einchecken. Dieser Bus stand einen ganzen Tag am Strassenrand bevor er abgeschleppt wurde. Die nächste Greyhoundstation in der Ersatzbusse zur Verfügung standen ist übrigens 150 Kilometer weiter nördlich!

Was ist schon ein bissel Waldbrand in BC... wo "nur" Wald brennt, wo keine ganzen Ortschaften den Flammen zum Opfer fallen weil es eben da keine Ortschaften gibt. Was interessiert die Pressefuzzis der grossen Agenturen wenn grosse Waldflächen, die wichtig fürs Weltklima sind einfach abbrennen. Was interessiert es die Welt, das bei eben diesen Waldbränden kleine, freiwillige Feuerwehren aus ganz BC im Einsatz sind um zu retten was noch zu retten ist. Und was schert es den gelangweilten Fernsehzuschauer wenn dabei nicht mindestens, wie damals in Lillooet, ein Löschflugzeug abstürzt und die Besatzung in den Tod reisst. Wo sind die Spenden für die Handvoll Farmer die dabei ihre Existenz verlieren? Wo sind die Aufforstungsbrigaden der Ökoverbände?

Wenn man dem Fraser River in den nördlichen Rocky Mountains begegnet ist er glasklar und man kann sein Wasser trinken. Nachdem der Fraser River Prince George passiert hat und all seine Industrieanlagen, die gegen geringe Strafgelder, lustig all ihre Abwässer im Fluss entsorgen, ist sein Wasser so schadstoffbelastet das man die Fische nicht mehr essen kann. Erst nachdem er weiter südlich vom saubereren Wasser des Thompson Rivers und weiterer kleinerer Flüsse "verdünnt" wird kann er wieder befischt werden. Das Bild zeigt die traurige Dreckbrühe des Fraser Rivers wenn sie auf das Wasser des Pazifischen Ozeans trifft. Kanada ist aus dem Kyoto Protokoll ausgeschieden und ist eines der grössten Umweltverschmutzer des ganzen Planeten. 


Ich hoffe ich habe ein bissel für Nachdenklichkeit gesorgt! Und vielleicht auch das Interesse deutscher Medienmacher an den Problemen hier in Kanada entfachen können. Ja, ich habe wunderbare Bilder von Landschaft und Tieren, aber ich habe auch Bilder von der anderen Seite der Münze. Und ich hoffe mit den eingestreuten lustigen Bildern die ganze Serie ein wenig aufgelockert zu haben!

Viele Grüsse aus dem Wilden Westen
Eure Gini

PS: Auch im neuen Jahr müssen Eure Kommentare von mir freigeschalten werden, also einmal eingeben reicht! ;-)

= Der Blick der immer ins Auge geht = ins Kameraauge =   

4 Kommentare:

  1. Liebe Gini,

    die von Dir beschriebene geballte Ignoranz ist ja erschütternd! Kanada ist mir so völlig unbekannt, weil es kaum in der Presse aufscheint.
    Kanada ist für mich immer noch romantisch verklärt: riesige Wälder, Einsamkeit, Indianer, Holzfäller, Bären ... Ich bin bei meinen Vorstellungen eineindeutig in meiner Jugendliteratur und Schilderungen von Auswanderern aus den 50-er Jahren und Reisenden aus den 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts festgefahren ;-(

    Gibt es überhaupt eine Umweltschutzbewegung in Kanada? Werden vom Volk Petitionen gegen Missstände eingereicht?

    Liebe Grüße aus Old Germany
    Evy

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    1. Hallo Evelyn,

      das romantische Wälder-Einsamkeit-Indianer-Holzfäller-Bären-Image wird kräftig nach aussen gepflegt. Und auch deutsche Zeitungen und Zeitschriften lehnen kritische Artikel über Kanada ab, zuviel Geld ist mit Reisewerbung zu verdienen.

      Es gibt hier wohl sowas wie eine Umweltschutzbewegung. Aber die werden als ökonomieschädliche Spinner hin gestellt. Und so werden Ressourcen schon mal mehr oder weniger verschenkt, Kupfer prinzipiell mit Säure aus dem Erdreich gewaschen.

      Aber auch in diesem Blog kommen die Leser und Bilderschauer meist nur zu den netten Fotos. Die anderen rütteln zu sehr an ihren schönen Traumbildern über Kanada.

      Du findest in der Tatze von 2011 (Magazin der deutschen Umweltgruppe von "Care for the Wild") einen doppelseitigen Artikel von mir über Missstände und Raubbau in der Natur. Ich würde gern mehr darüber schreiben, aber es gibt dafür wie gesagt keine Interessenten!

      Liebe Grüsse aus Kanada
      Gini

      PS: nicht wundern, Kommentare müssen von mir frei geschalten werden und dauern deswegen eine Weile bis sie sichtbar sind... ;-)

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  2. Danke, liebe Gini. Die Überschrift lässt mich noch viel Schlimmeres befürchten. Was wäre das Schimmste vom Schlimmsten. Na ja, wohl die Säure u.a.

    Schade, dass der schnelle Profit so blind macht und sogar die Nachkommen vergessen lässt.

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    1. Ja Evelyn... irgendwann stelle ich hier mal die Bilder von den Säureteichen rein... und wenn man an den Ölsandabbau im Norden von Alberta denkt... ohne Rücksicht auf Irgendwem oder Irgendwas...

      Premier Harper hat veranlasst das Kanada nicht mehr im "Kyoto Protocol" ist... Begründung: Kanada ist gross genug... da kann man verschmutzen wie man lustig ist... nach uns die Sintflut...

      es gibt da noch viel mehr...

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